Verkehr

Auto fahren in England




Sich im Linksverkehr zurecht zu finden ist nicht so schrecklich wie man denkt. Man gewöhnt sich tatsächlich schnell daran, dass auf der Autobahn die langsame Spur links ist, rechts überholt wird, links herum in den Kreisverkehr zu fahren und an Kreuzungen zuerst nach rechts zu schauen. Was am ehesten zu leichten Panikattacken führen kann, ist die teilweise abenteuerliche Kreisverkehrlandschaft. Sie treten nicht selten in Gruppierungen auf. Das heißt, zwei bis drei kleinere ineinander verschachtelt oder um einen zentralen Großen herum verteilt. Letztenendes folgen aber auch solche Verkehrskonstrukte einer einfachen Systematik: Einfach im Uhrzeigersinn hineinfahren, dabei immer auf den Verkehr von rechts achten – denn wie in Deutschland hat der Verkehr im Kreisel immer Vorfahrt – und auf diese Art und Weise vom einem zum nächsten Kreisel hangeln.


Verkehrsregeln

Die Schilder und Symbole sind größtenteils die gleichen wie in Deutschland, und die Unterschiede im Alltagsregelwerk sind überschaubar:

 • Rechts-vor-links oder umgekehrt existiert nicht. An Kreuzungen ohne erkennbare Vorfahrtsstraße ist die Vorfahrt durch Haltelinien geregelt.

• Kreisverkehre werden links herum, also im Uhrzeigersinn befahren und der Verkehr im Kreisel hat Vorfahrt.

 • Wenn die Autoampel an einer Fußgängerampel gelb blinkt ist Vorsicht geboten, denn Fußgänger dürfen dann immer noch gehen. Und Briten gehen immer. Mit und ohne Ampel, bei Rot, bei Grün – man gewinnt den Eindruck, das Überqueren der Straße macht ihnen nur unter Lebensgefahr Spaß.

• Achtung umdenken: Speed Limits in miles per hour: innerorts 30 mph, außerorts 60 mph, auf der Autobahn 70 mph.

• Doppelte gelbe Linie am Straßenrand ("double yellows") bedeutet absolutes Halteverbot, einfache bedeutet Eingeschränktes. Wo keine Linien sind, dort vergewissern, dass nicht irgendwo entlang der Strasse ein kleines Anwohner- oder Gebühren-Schild rumsteht.

Das wars schon. Die kompletten Verkehrsregeln (sowie absolut unverzichtbare Tipps für sicheres und gesittetes Fahrzeuglenken) findet man im sogenannten Highway Code.


Strafzettel

Hier wird noch mit Abschreckung gearbeitet. Unter 30 Pfund Strafgebühr geht nichts, egal wie geringfügig der Verstoß ist. Zum Beispiel fürs Falschparken. In einem solchen Fall lautet der Strafbescheid über 60 Pfund Strafgebühr, doch die reduziert sich um die Hälfte, wenn man innerhalb von 14 Tagen bezahlt. Anders bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Hier gibts kein Pardon, sondern 60 Pfund Strafe pauschal, plus drei Punkte. Geblitzt wird allerdings nicht so fies wie in Deutschland. Blitzkästen sind neongelb und werden durch schwarz-weiße Kameraschilder angekündigt. (Allerdings stehen wesentlich mehr dieser Schilder herum, als tatsächlich Kameras.) Wenn aus Fahrzeugen heraus geblitzt wird, dann auch nur aus Polizeifahrzeugen. Es gibt eine gemeine Ausnahme auf Autobahnen, wo manchmal Kameras an der Rückseite der großen Torbögen mit digitalen Anzeigeschildern angebracht sind. Die sind aus Fahrtrichtung unsichtbar.


Punkte sammeln

Bis jetzt kann die DVLA ("Drivers And Vehicles Licencing Association“, das Kraftfahrtamt) keine Punkte direkt auf einen ausländischen Führerschein buchen. Daher werden die Punkte nur bei der DVLA in Verbindung mit der Person registriert, die Strafe tritt also nur auf englischem Boden in Kraft. Auf die Flensburger Akte hat das (noch) keinen Einfluss. Aufgrund der Komplikationen mit dem Punkte verteilen muss man als Ausländer vor Gericht erscheinen, wo die Strafe dann pro forma neu festgelegt wird. Angeblich ist das Strafmaß nach oben flexibel, ich weiß aber nicht, ob es tatsächlich vorkommt, dass über die 60 GBP hinaus gegangen wird. Man muss jedenfalls auf einem Formular seine regelmäßigen Einkünfte und Ausgaben angeben, als Maß für die Festlegung der Bußgeldhöhe. Hat hier jemand Bürokratie gesagt? Der komplette Strafenkatalog hier.